Misereorsonntag 2019

in Gottesdienste & Andachten

Architektin der Weltkirche zu Gast beim Abendgottesdienst - Misereor Fastenaktion mit Carmen Rivera Garcia aus El Salvador

Viechtach. Das Motto der diesjährigen Fastenaktion zum Misereorsonntag lautet „Mach was draus: Sei Zukunft!“ Der Missionssprecher im Dekanat Viechtach Diakon Sepp Schlecht konnte zu dem Thema die Architektin Carmen Rivera-Garcia gewinnen, die für die Hilfsorganisation Fundasal in ihrem Heimland El Salvador arbeitet. Nach zahlreichen anderen Terminen im Dekanat nahm sie zusammen mit Weltkirchensprecherin Ruth Aigner und dem gebürtigen Spanier Dr. Gerd Herschung Iglesias als Dolmetscher beim Vorabendgottesdienst am Samstagabend in der Stadtpfarrkirche teil. Zu Beginn der Messe wurde sie von Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad herzlichst begrüßt, der die Gemeinsamkeiten von der großen Kirche und einer kleinen Kirchengemeinde wie Viechtach herausstellte, indem die Menschen in großer Not immer nach Gott rufen würden. In seiner Predigt sprach der Geistliche die aktuelle Jugendbewegung zum Klimawandel an und verband damit die Hoffnung, dass damit auch etwas bewegt würde. Bei uns heißt es, die Jugend sei die Zukunft, während in vielen Entwicklungsländern die Jugend eher die Gegenwart darstelle, weil der Altersdurchschnitt sehr oft bei 30 Jahren läge, spannte Pfarrer Konrad den Bogen zu den Jugendlichen in El Salvador. Viele junge Menschen schließen sich den Jugendclans, den Maras an, wo tägliche Gewalt, Schutzgelderpressung, Drogenhandel und andere Verbrechen an der Tagesordnung seien. 75 Prozent der Bevölkerung von El Salvador wollen in die USA flüchten, informierte Konrad, aber es gäbe auch Hoffnung. Als Beispiel erzählte er die Geschichte von dem Jungen Miguel, der es durch die Initiative „Neue Lebenspläne“ von Misereor geschafft hat, eine neue Familie zu finden und ein Leben ohne Kriminalität zu führen. Viele Menschen würden sich über die Anzahl der Flüchtlinge aufregen, aber dann müsse auch etwas dafür getan werden, dass diese Menschen in ihren Heimatländern bleiben können, griff Pfarrer Konrad den Miserorgedanken zum Abschluss seiner Predigt auf. Zur Kommunionausteilung spielte Carmen Rivera auf der Mandoline und sang dazu ein Kirchenlied aus ihrer Heimat, das von Chordirektor Siegfried Beck nach nur wenig gehörten Tönen leise auf der Orgel begleitet wurde. Vor dem Schlusssegen richtete der Gast aus El Salvador mit Hilfe des Dolmetschers noch abschließende Worte an die Gottesdienstbesucher. Sie rief dazu auf, dass nichts verschwendet werden darf, was den Menschen von Gott gegeben wurde. Die jungen Menschen fordert sie auf, sich einzubringen dort wo man geboren sei. Sie erzählt, dass derzeit in einem ihrer Projekte 25 junge Menschen sich einbringen und an ihrer Zukunft bauen würden. „Wir müssen unsere Stimme erheben, für die, die keine Stimme mehr haben“ rief sie den Gläubigen zu. Mit einem weiteren Lied aus ihrer Heimat, das ein „Symbol der Auflehnung“ in der Zeit des Krieges als Hoffnung auf Gerechtigkeit entstanden ist, endete ihr Auftritt in der Kirche. Der zweite Teil des Besuches von Carmen Rivera-Garcia in Viechtach fand im Anschluss an die Abendmesse im Kapitelsaal des Pfarrhofes statt, wo von den Frauen des Pfarrgemeinderates eine Bayerische Brotzeit vorbereitet wurde. Nach der Einführung durch Weltkirchensprecherin Ruth Aigner informierte Rivera-Garcia über das Hilfsprojekt Fundasal, wo sie als Architektin mit Naturmaterialien, insbesondere Lehm, erdbebensichere Häuser für die Ärmsten zusammen mit den Dorfbewohnern baut. Für die jungen Menschen gäbe es keine Perspektiven. Das Land sei geprägt von einer hohen Arbeitslosigkeit, die Menschenrechte würden mit Füßen getreten. Deshalb bliebe oft nur der Weg in die Kriminalität oder eine gefährliche und beschwerliche Flucht in die USA. Die Organisation Fundasal will Lebensperspektiven ermöglichen. 51000 neue Häuser seien seit der Gründung von Fundasal in El Salvador gebaut worden, klärt die Weltkirchenvertreterin auf. Es handele sich dabei immer um Gemeinschaftsprojekte, bei denen sie zunächst die Dorfbevölkerung von der Lehmziegelbauweise überzeugen muss. Zu viele Hütten sind wegen der zahlreichen Erdbeben im Lande zusammengestürzt und haben für unzählige Opfer unter den Menschen gesorgt. Das Land läge im „Pazifischen Feuergürtel“ und hätte 21 Vulkane, wobei elf noch aktiv seien. Carmen Rivera-Garcia spricht über die Rolle der Frau in El Salvador, die meist vor der neunten Schulklasse die Schule verlassen müssen und oft mit 16 Jahren bereits verheiratet werden. Die Frauen würden dann vier bis fünf Kinder gebären und müssten dann ausschließlich den Haushalt versorgen. Anschaulich erklärt die Architektin, wie ihre Hilfsprojekte gestartet werden. Der Bedarfsfeststellung folgt die Frage nach der Finanzierung, ob Gemeinschaftshilfe vorhanden sei, welches Baumaterial es vor Ort gäbe und ob die Aktion durch Bezirksregierung und Kirche unterstützt würde. Je nach Lage kostet ein Quadratmeter Baugrund zwischen 150 und 300 US-Dollar. Da für den Bau eines Hauses lediglich 5000 US-Dollar zur Verfügung stünden, müssen die Familien eine hohe Eigenleistung aufbringen und ihnen die Grundstücke in den meisten Fällen schon gehören. Die Gestik und Mimik, die Rivera einsetzt, als sie davon erzählt, wie sie bei ihren Schulungen 25 jungen Menschen das neue Bausystem beibrachte, hätte so manches Mal den Dolmetscher ersetzt. Die Kirchenfrau riss ihre Zuhörer mit ihrem lebhaften Vortrag regelrecht mit. Zum Abschluss sang Carmen Rivera-Garcia ein Lied aus ihrer Heimat mit dem Titel „Blauer Hut“, das die Geschichte El Salvadors erzählt. Der originale Refrain in Espanol wurde kurzerhand ins Bayerische umgemünzt und hieß dann „pack mas“, so dass die Zuhörer laut singend und klatschend mit einstimmen konnten.

Bild: Mit glockenheller Stimme und voller Innbrunst singt die Weltkirchenvertreterin Carmen Rivera-Garcia Lieder ihrer Heimat El Salvador beim Vorabendgottesdienst in der Viechtacher Stadtpfarrkirche.

Veranstaltungen in der Pfarrei St. Augustinus am Misereorsonntag:

  • Verkauf von fair gehandelten Lebensmitteln, Süßigkeiten für Ostern und Kunsthandwerk am Freitagnachmittag und am Sonntagvormittag nach den Gottesdiensten
  • Kreuzweg „Auf dem Weg der Gekreuzigten“ in der St. Anna-Kapelle nach Vorlage des Misereor-Kreuzwegs gestaltet vom Ausschuss MEF

Kontakt

Kath. Pfarramt St. Augustinus
Mönchshofstraße 1a
94234 Viechtach

Telefon: 09942 / 5061
Telefax: 09942 / 5062

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