Reduzierung der Sonntagsgottesdienste

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Verehrte Pfarrangehörige! In seiner Sitzung am Donnerstag, 2. Mai, hat der Pfarrgemeinderat einen Beschluss zur Reduzierung der Sonntagsmessen in der Pfarrkirche gefasst.
Nach einer durchaus emotionalen Diskussion wurde eine geheime Abstimmung durchgeführt. Es ergab sich, dass zehn Stimmen für die Beibehaltung der Abendmesse am Sonntag abgeben worden waren, zwei Stimmen für die Beibehaltung der Messe um 8.00 Uhr und fünf Enthaltungen. Dies bedeutet, dass ab August die 8.00 Uhr-Messe in Viechtach wegfällt.

Ich weiß natürlich, dass dieses Ergebnis Viele, denen die Frühmesse am Sonntag lieb und teuer ist, erbittert. Das hat sich ja schon im Vorfeld gezeigt, als vor fast zwei Jahren zum ersten Mal die Frage nach einer Reduzierung des Gottesdienstangebots aufgeworfen wurde und teils heftige Reaktionen nach sich gezogen hat. Allerdings gilt als sicher, dass es auch bei einem Wegfall der Abendmesse Unmut gäbe, denn auch die hat ihre treuen „Fans“.

Bei allem verständlichen Ärger bitte ich aber auch, sich vernünftigen Erwägungen nicht zu verschließen. Auch ab August gibt es in unserer Pfarrei immer noch das reiche Angebot von sieben Sonntagsmessen, davon alleine vier am Sonntagvormittag. Man muss nur die Verengung auf eine bestimmte Kirche oder einen bestimmten Termin überwinden, um zu sehen, dass die Pfarrei Viechtach nicht bloß in einer, sondern in fünf Kirchen lebt und feiert. Deswegen habe ich ja schon früh die Ansicht der Gottesdienstordnung im Pfarrbrief dahingehend abgeändert, dass man auf einen Blick alle Messfeiern am Wochenende, auch die in den Filialen, ersehen kann.

Ich bitte diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund des großen Umbruchs zu verstehen, der sich momentan in unserer katholischen Kirche vollzieht. Wer dieser Tage die Zeitung gelesen hat oder entsprechende Berichte in anderen Medien verfolgt, wird die Studie zur Kenntnis genommen haben, die von den beiden großen Kirchen in Auftrage gegeben wurde. Diese Studie belegt, dass nach menschlichem Ermessen die katholische Kirche in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren wird. Hauptursache ist nicht der demographische Wandel (also mehr Todesfälle als Geburten), sondern die massiv zunehmenden Austrittszahlen vorwiegend jüngerer Menschen, die infolgedessen auch als Eltern ihre Kindern nicht mehr taufen lassen werden. Diese Prognose ist keine Überraschung, sondern bestätigt nur, was aufmerksame Beobachter schon seit Jahrzehnten feststellen. Gottesdienste werden leerer, v.a. die Generation unter 40 fehlt größtenteils, es gibt keinen oder kaum Nachwuchs für kirchliche Berufe, Gemeinden werden zusammengelegt, Kirchen werden verkauft.

Das mag für uns in Viechtach weit weg erscheinen, aber das wäre eine Täuschung. Auch in Viechtach wird die Pfarrei in den nächsten Jahren und Jahrzehnten drastisch schrumpfen. Und wenn wir weiterhin feierliche Gottesdienste (und nicht bloß an Weihnachten und Ostern) erleben wollen, müssen wir bereit sein, unser Gottesdienstangebot rechtzeitig anzupassen und vor allem zusammenzurücken. Ist es nicht wesentlich besser, wenn wir einen feierlichen Gottesdienst erleben können, der eine Gemeinschaft von Singenden und Betenden voraussetzt, als eine Messe in einer immer leerer werdenden Kirche, wo alle paar Bänke Gottesdienstbesucher sitzen und sich verloren vorkommen? Warum sollten nicht Wiesinger, Schönauer, Altnussberger und Christen von Ayrhof nach Viechtach kommen (was viel jetzt schon tun), um eine Gemeinde zustande zu bringen, und umgekehrt Viechtacher in eine der Filialen fahren, um dort mitzufeiern? Das Beharren auf „meine“ Kirche hat angesichts der angesprochenen Umbrüche keine Zukunft. Um das zu begreifen, genügt ein Blick auf die Lage in den meisten kirchlichen Regionen Deutschlands. Pfarreiengemeinschaften, wo ein Pfarrer für 20000 Menschen zuständig ist, sind dort längst keine Ausnahme mehr. Dagegen erscheint eine Pfarrei wie Viechtach, in der ab August „nur“ noch sieben Sonntagsmessen angeboten werden, wie ein Paradies.

Ich denke, wir haben jetzt eine solide Ordnung gefunden, die für die nächsten Jahre Bestand haben wird. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die nächsten Jahrzehnte auch für die Pfarrei Viechtach noch manche Herausforderung bereithalten wird.

Es grüßt Sie herzlich mit der Bitte um Ihr Verständnis,
Pfarrer Werner Konrad

Kontakt

Kath. Pfarramt St. Augustinus
Mönchshofstraße 1a
94234 Viechtach

Telefon: 09942 / 5061
Telefax: 09942 / 5062

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