Betrachtung der Osterkerze 2018

in Besinnung

Klettern ist ein Volkssport geworden. Seitdem es viele Hallen gibt, in denen quietschbunte Gumminoppen an die Wände geschraubt sind, braucht man nicht unbedingt eine Felswand, um diesem Sport frönen zu können. Mehrere Meter über dem Boden nur an einem kleinen Vorsprung zu hängen ist ein besonderer Nervenkitzel. Gäbe es da nicht die Sicherung durch ein Seil, der Spaß wäre lebensgefährlich.

Und dann gibt es die mühsame Kletterei, die kein Seil und kein fürsorglicher Sportkamerad sichert. Viele Menschen haben Angst vor dem freien Fall, weil die Sicherheiten ihres Lebens wegbrechen. Der Körper will nicht mehr so funktionieren wie bisher. Menschen, die mir Stütze waren, haben mich verlassen. Ich weiß nicht mehr, wie ich finanziell um die Runden kommen soll. Mein Glaube bricht weg. Wie viele fühlen sich ausgesetzt und ausgeliefert einem feindlichen Schicksal? Und es gibt nur noch wenig, an das sie sich verzweifelt klammern können.

Auf der Osterkerze unserer Wachskünstlerin Evi Schötz fällt der erste Blick auf das Lamm. Es schaut vergnügt aus, es scheint geradezu zu lächeln. Kein Wunder: sitzt es doch wie auf einem sonnigen Balkon, ganz oben, freier Blick inklusive. Aber wie ist es dort hinauf gekommen? Erst jetzt versteht man den Gesichtsausdruck des Lammes. Es hat eine furchtbare Tour hinter sich. Man muss schon genau hinschauen, um auf der senkrechten Wand unter dem Lamm die Vorsprünge zu sehen: Geißel, Dornen, Kreuz, Würfel und zwei blutverschmierte Nägel. Da entlang ging der Weg, eine mörderische Tortur.
Was mir Halt gibt, wenn ich mich einem feindlichen Schicksal ausgesetzt fühle? Die Wunden Jesu können mir den Trost schenken, dass da einer weiß, wie es mir gerade geht. Der weiß, wie sich die Angst vor dem freien Fall anfühlt. Einer, der nicht abgeklärt auf einem jenseitigen Thron sitzt, sondern mir von dort die Hand entgegenstreckt und sagt: "Komm nur, trau dich. Ich lass Dich nicht fallen. Am Ende auch Deines Weges wartet das große Aufatmen."

Ein frohes und gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen und allen Ihren Lieben
Pfarrer Werner Konrad, Pfarrvikar Markus Meier, Pfarrvikar Rachagar Kulaindhaisamy, Diakon Josef Aigner und das ganze Team vom Pfarramt

  • Autor: Pfarrer Dr. Werner Konrad
  • Kerzengestaltung: Evi Schötz

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