 | 21.04.2011 Gründonnerstag - KarfreitagScherben bringen Glück - so sagt der Volksmund. Den Scherben eines zerbrochenen Glases wird dabei besonders viel von diesem Glück zugesagt. Am Polterabend wird Porzellan zerbrochen. Damit soll dem Paar Glück gewünscht werden. Anders sieht die Sache bei einem zerbrochenen Spiegel aus. Die Scherben eines zerbrochenen Spiegels bringen - so sagt man - alles andere als Glück. Mit oder ohne Glück - die meisten Menschen geben nicht viel auf diesen Spruch. Wohl kaum eine Hausfrau wird sich über eine zerbrochene teure Vase freuen. Scherben bedeuten meistens, dass es etwas wertvolles zerbrochen ist. Und nicht der beste Kleber der Welt kann eine zerbrochene Vase wieder heil machen. Was zerbrochen ist, ist zerbrochen.
„In der Nacht, da er ausgeliefert wurde, nahm er das Brot, zerbrach es und reichte es seinen Jüngern.“ (1 Kor 11) Jesus nimmt im Mahl vorweg, was mit ihm geschieht. Er zerbricht das Brot. Er reicht es seinen Jüngern. „Das ist mein Leib“ sagt er. Stunden später zerbricht er sein Leben am Kreuz. Was zerbrochen ist, ist zerbrochen. Sein Leben endet in einem Scherbenhaufen auf dem Berg Golgota.
Viele Menschen haben sich schon der Kopf darüber zerbrochen, was das alles zu bedeuten habe. Es muss doch eine Erklärung dafür geben. Doch am Ende standen auch sie vor dem Scherbenhaufen auf Golgota und wussten nicht weiter. Eine Erklärung, die wir mit unserem Verstand nachvollziehen können, fällt schwer.
Andere machen es sich da leichter. „Zerbrochen ist zerbrochen“ - das kennen sie nicht mehr. Wenn etwas in die Brüche geht, wird es einfach ersetzt. Etwas neues gekauft. Einfach ausgetauscht. Das geht mit der Vase genauso wie mit der Ehefrau. Wer so denkt, wird mit dem Scherbenhaufen auf Golgota und dem zerbrochenen Brot im Abendmahlssaal wenig anfangen können.
„In der Nacht, da er ausgeliefert wurde, nahm er das Brot, zerbrach es und reichte es seinen Jüngern. Das ist mein Leib.“ Jesus zerbricht das Brot. Er zerbricht sich selbst - in diesem Brot und auf dem Kreuz. Was zerbrochen ist, ist nicht einfach kaputt. Er zerbricht sich, damit alle daran Anteil haben. An seinem Leben. An seinem Sterben und an seinem Auferstehen. Er zerbricht sein Leben in diesem Brot und schenkt sich uns. Wer an ihm Anteil hat, wer das zerbrochene Brot isst, der ist ein Teil von ihm. Und wir alle sind Eins in Christus.
„Zerbrochen ist zerbrochen.“ Jesus hat wirklich sein Leben zerbrochen. Für die einen bleibt nur ein Scherbenhaufen übrig, den sie nicht verstehen können oder verstehen wollen. Für die anderen zeigt sich in diesem Zerbrechen: Jesus geht bis zum Äußersten in seiner Liebe. Er lässt sich nicht aufhalten von dem, was andere über ihn denken. Er zerbricht sich selbst, damit wir alle an ihm Anteil erhalten. Zerbrochen - aber ungebrochen in seiner Liebe.
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