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Besinnung

Fastenzeit: Leere

09.03.2011 Fastenzeit: Leere

Eine besondere Kirche

Im Jahr 1930 hat der Künstler und Architekt Rudolf Schwarz in Aachen eine ganz erstaunliche Kirche gebaut. Sie trägt den Namen „St. Fronleichnam“. Was macht diese Kirche so besonders? Sie besticht nicht durch ihren Bilderschmuck. Keine wertvollen Statuen und Figuren sind in ihr zu finden. Es gibt auch keine geschnitzten Altäre, durch die dieser Kirchenbau bedeutend ist. Es ist vielmehr ein ganz neues, etwas revolutionäres, das diese Kirche so besonders macht: die Leere. Denn blickt man nach vorne, dann sieht man nichts weiter als eine hohe, weiße, leere Altarwand.
Bei wenigen regte sich damals Widerstand. Man sagte: „Was soll das, eine leere Wand?“ oder „Die Kirche ist so nackt und leer.“


Menschen und Leere
Trotz dieser Widerstände ist man in Aachen nicht darauf eingegangen und hat nicht versucht, die große, leere und weiße Wand hinter dem Altar mit irgendetwas zu füllen und damit die Leere zu kaschieren.
Der Künstler Rudolf Schwarz hat mit diesem Kirchenbau etwas wesentliches zum Ausdruck gebracht. In früheren Jahrhunderten lebten die Menschen ein kärgliches Dasein in kleinen und niederen Häusern. Leere und Stille waren überall gegenwärtig. Es gab einfach noch kein Radio und keinen Fernseher, Bilder und Bücher waren unerschwinglich.
Heute ist das anders. Stille und Leere ist zum Luxus geworden. Und die Menschen selber verzichten oft genug auf diesen Luxus. Im Auto wird das Radio angeschaltet, zu Hause der Fernseher. Unterwegs läuft der MP3-Player und wenn es wirklich einmal für kurze Zeit still ist, dann klingelt das Handy.


Gott und die Leere
Die Kirche in Aachen mit der großen, hohen und leeren Altarwand zeigt uns dagegen: Menschen von heute brauchen die Leere und damit die Stille, um Gott zu begegnen. In der Stille kann Gott sprechen. In der Stille wird mein Leben vor ihm offenbar - ohne, dass ich es vertusche. Stille und Leere - das wird auch uns in den nächsten Wochen der Fastenzeit begleiten. Hier im Gotteshaus ist die Leere eingezogen. Schlichtes Violett, wo zuvor barocker Glanz prangte. Stille, wo zuvor die Orgel festlich spielte.
Und vielleicht schaffen wir es ja, ein wenig von dieser Stille mit in unser Leben mit hineinzunehmen. Im Alltag Stille zu halten - wo zuvor vor lauter Lärm nichts zu hören war. Im Alltag Leere auszuhalten - wo man zuvor vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen hat.


Eine Herausforderung
„Das hält man ja nicht aus“ sagen heute noch viele, wenn sie in der Fronleichnamskirche vor der leeren Altarwand stehen. Und tatsächlich: es ist eine Herausforderung, die Leere und die Stille auszuhalten. Es ist eine Herausforderung, angesichts der Stille nichts zu übertuschen. In der Stille erkenne ich mich selber. In der Stille begegne ich Gott. Lassen wir uns in diesen 40 Tagen auf die Stille und Leere ein.



(c) Kath. Pfarramt Viechtach 2011 - Nachdruck und Verwendung des Textes ist ohne ausdrückliche Genehmigung des Urhebers nicht gestattet.


Bild: Norbert Schnitzler, www.wikipedia.de

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