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Besinnung

Märchenhaft: Die Könige und der Stern

03.01.2010 Märchenhaft: Die Könige und der Stern

Kostbare Gewänder und wertvoller Schmuck; edle Schätze und wundersame Gaben, Magie und Magier, ein böser Gegenspieler und tapfere Helden… Kein Zweifel: Märchen faszinieren die Menschen auch heute noch. 


Und in diese Märchenwelt passt doch ganz wunderbar unser heutiges Evangelium?! Allen Stoff dazu bietet es ja. Da machen sie drei mysteriöse, namenlose Sterndeuter - oder wie der Urtext sagt: Magier - aus dem Osten auf die Suche nach einem neuen Königskind. Ein intriganter König begegnet ihnen, ein wunderbarer Wanderstern und zu guter Letzt: das Finden des Kindes und die rettende Eingebung im Traum. Man ist fast geneigt zu sagen: Und wenn sie nicht gestorben sind. Eine wirkliche märchenhafte Erzählung.
Doch handelt es sie hierbei wirklich nur um eine schöne Geschichte, die bloß unterhalten will? Ein Märchen also?

Keine Frage: Es ist eine Geschichte voller Magie. Und unser Zauberspruch hier - und der Schlüssel zum Verstehen - heißt: Sehnsucht.
Der Zauber der Sehnsucht liegt in der Luft. Nur sie schafft es, dass sich die Magier aus dem Osten aufmachen. Ein Stern am Himmel kündet die Geburt eines Kindes an. Eines königlichen Kindes. Die weisen und hochgeachteten Männer brechen auf: hinein in die Fremde und ins Ungewisse. 


In der Hauptstadt angekommen, dem eigentlich einzig würdigen Geburtsort für einen so mächtigen neuen König, begegnet ihnen Entsetzen. „Herodes und das ganze Volk mit ihm“ erschrecken darüber, dass ein neuer König geboren sein soll.  In der Betriebsamkeit der Stadt hatten die Bewohner Jerusalems den Stern vermutlich schon bald vergessen gehabt. Und Herodes: er spinnt einen teuflischen Plan. Für ihn gilt es, einen Konkurrenten auszuschalten.
Schließlich wird die geistliche Elite Jerusalems befragt - und - sie können sogar Auskunft geben. Betlehem in Judäa sei der Geburtsort. Doch von Aufbrechen: Keine Spur.
Die enttäuschten Gesichter der Magier kann man sich vorstellen. Voller Erwartung und Freude waren sie nach Jerusalem gekommen. Und sie erleben: Ablehnung, Intrige, Kaltherzigkeit. Sind sie soweit gereist für nichts?
Doch die Sehnsucht trägt weiter. Und kaum sind sie wieder vor den Toren Jerusalems, da, auf einmal: Da sehen sie wieder den Stern. Den Stern, den sie in der Stadt nicht mehr gesehen hatten. Und mehr noch: Er geht vor ihnen her. Er erfüllt ihre Herzen mit riesiger Freude. Und er bringt sie in den Palast des neugeborenen Königs: In eine armselige, dreckige Unterkunft.
Sie bringen ihm die größte Ehrerbietung dar, die in der antiken Welt nur Gott vorbehalten war: Sie werfen sich auf den Boden.

Die Erzählung will aber nicht für sich stehen. Sie stellt jedem Einzelnem von uns vielmehr die Frage: Spüre ich in mir eine Sehnsucht, die mich trägt? Eine Sehnsucht, die mein Herz unruhig macht? Die mich aufbrechen lässt, die Hindernisse überwinden kann?
Und wir dürfen wissen: Wir sind nicht allein. Der Stern, den die Weisen gesehen haben. Er scheint auch für uns. Manchmal ganz hell und klar. Und manchmal ist er unter den vielen anderen Dingen nicht leicht zu finden und kann dann oft übersehen und vergessen werden.
Mit dem Verlust der Sehnsucht tritt anderes an ihre Stelle: Gleichgültigkeit und Geschäftigkeit - wie bei den Bewohnern Jerusalems.  Hunger nach Macht - wie bei Herodes. Abgestumpftheit und Gefühlskälte - wie bei den Schriftgelehrten.

Wir dürfen darauf vertrauen: Diese Sehnsucht müssen und können wir nicht selbst herstellen und produzieren. Gott ist es, der sie uns ins Herz gibt. Wir können uns nur darauf einlassen.
Und dann können wir das spüren, was auch die Magier erlebt haben. Eine Sehnsucht, die immer neu nach ihm suchen lässt.  Eine Sehnsucht, die ein Leben lang trägt. Und das ist doch wirklich märchenhaft! 







(Bild: Die Heiligen Drei Könige der Weihnachtskrippe in der Stadtpfarrkirche Viechtach)

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